[dsgvo_service_control]

Introvertierte Teenager: Alle Zeichen auf Rückzug!

0 0
Lesezeit5 Minuten, 32 Sekunden

Introvertierte Teenager sind so eine Sache. Jugendliche ziehen sich in der Pubertät zurück. Das sagt uns jeder Ratgeber. Da stehen sich extravertierte und introvertierte Jugendliche in nichts nach. Aber was ist, wenn sich Dein Teenager gefühlt nur noch im Zimmer vergräbt?

Kommt Dein Teenager überhaupt nicht mehr aus dem Zimmer heraus, solltest Du beizeiten mal nachsehen. Vielleicht liegt er oder sie auch unter den Bergen an Wäsche und Geschirr begraben. Diese Marotte haben nämlich auch fast alle Jugendlichen gemeinsam: Wäsche und Geschirr bloß nicht nach draußen bringen – könnte ja sauber werden! Siehst Du Deinen Teenager allerdings regelmäßig beim Essen, dürfte die Gefahr gering sein. Dafür wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Du schlichtweg einen introvertierten Teenager hast!

 

Introvertierte Teenager stehen unter Dauerbeschallung

Die Überschrift darfst Du gerne wörtlich nehmen – und das gleich im doppelten Sinn. Mein eigener introvertierter Teenager beispielsweise ist kaum noch ohne Ohrhörer anzutreffen. Egal, wann ich sie sehe – immer hat sie diese schwarzen Knöpfe im Ohr. Ein Teil aus unserer Verwandtschaft sieht das als rigorose Respektlosigkeit. Wie kann sie es nur wagen, bei Familientreffen mit Ohrhörern dazusitzen, wenn alle anderen sich unterhalten! 

Und genau DA liegt das Problem! ALLE unterhalten sich. Und debattieren, diskutieren, rufen sich durch die Räume hinweg etwas zu, … Wenn meine Tochter mit ihrem Vater bei ihrer Oma ist, dann wird es ihr nach spätestens einer halben Stunde zu viel. Nicht, weil sie ihre Oma nicht mag – das bei weitem nicht! Die Geräuschkulisse wird so laut, dass sie ihre eigenen Gedanken nicht mehr “hören” kann. Die ganzen Stimmen und Geräusche in allen möglichen Lautstärken sprengen ihr den Kopf. Zumindest fühlt es sich für sie so an. 

 

Introvertierte Jugendliche sind geräuschempfindlicher

Als mein Kind in der Grundschule war, habe ich mich immer gewundert, warum sie zu mir meinte: “Schrei mich nicht an!” Dabei habe ich nur die Stimme erhoben – und das lässt sich nun mal leider nicht immer vermeiden. Sei es, weil wir unsere Kinder zurechtweisen müssen oder auch einfach, weil wir etwas weiter weg stehen und daher lauter sprechen. “Schrei mich nicht an!” Ich war immer völlig irritiert, warum ihr das so vor kam. Als sie klein war und ihre Trotzphasen hatte, da gab es Zeiten, in denen ich wirklich geschrien hatte. Aber die waren lange vorbei. Es hat Jahre gedauert, bis mir aufgegangen ist, dass sie die erhobene Stimme wirklich lauter wahrnimmt, als ich und alle anderen um sie herum.

Laute Geräusche machen introvertierten Teenagern zu schaffen. Auf der Straße, in der Schule, in der Stadt – auf Familienfeiern. Sie dröhnen in ihrem Kopf, bis sie das Gefühl haben, nichts anderes mehr hören zu können. Wenn ich ehrlich bin, habe ich dieses Gefühl damals auch oft gehabt. Und ich habe es auch heute noch, wenn ich unter Menschen bin. Für Jugendliche ist es schwerer als für uns, das auszublenden. Ihnen wird ganz schnell Unaufmerksamkeit oder Respektlosigkeit unterstellt. Doch das ist oft überhaupt nicht der Fall!

 

Munteres Rätselraten bei uns Eltern

Das Problem für uns Eltern ist, dass introvertierte Teenager mit solchen Informationen in der Regel nicht freiwillig rausrücken. Weil sie häufig einfach nicht verstanden werden. Weißt Du, was der häufigste Satz ist, den meine Tochter von manchen Verwandten zu hören bekommt? Du kennst ihn bestimmt aus Deiner eigenen Kindheit. “Stell Dich nicht so an!” 

Das ist eine Aussage, ich heute – auch als Mutter – genauso wenig nachvollziehen kann, wie damals in meiner Kindheit. Denn dieser kleine Satz – “Stell Dich nicht so an!” – zeigt unseren Kindern, dass wir sie nicht ernst nehmen. Und diese Botschaft kommt exakt so an – egal, in welchem Alter! Sie sagt aus, dass die Empfindungen unserer Kinder egal sind. Dass introvertierte Kinder schlichtweg überreagieren – also: nicht normal sind. 

Weil sie bei vielen Erwachsenen auf Unverständnis stoßen, behalten sie ihre Empfindungen lieber gleich für sich. Was zum Nachteil für uns hat, dass wir munter-fröhlich raten müssen, warum unser Kind sich wie verhält. 

 

Wie kannst Du introvertierte Teenager aus der Reserve locken?

Die Frage ist zuerst einmal: Was für Dich “aus der Reserve locken” bedeutet. Du solltest Dir bewusst sein, dass Du aus einem introvertierten Jugendlichen keinen extravertierten machen kannst. Das funktioniert deshalb nicht, weil die Introversion fest in seiner oder ihrer Persönlichkeit verankert ist.

Darum ist der erste Schritt für Dich (wenn Du ihn nicht schon gemacht hast): Akzeptiere introvertierte Teenager wie sie sind. 

Du wirst sie nicht auf den Kopf stellen können. Punkt. Und Du selbst möchtest ja auch nicht ständig hören, dass Du irgendwie falsch bist, so wie Du bist. Denn das ist eine komplett schwachsinnige Botschaft. Also, wie kannst Du Deinen Teenager trotz Introversion näher zu Dir und aus seinem Zimmer heraus “ziehen”?

 

Respektiere seine/ihre Grenzen

Wenn Dein Teenie sagt, er oder sie braucht jetzt gerade Ruhe – dann lass sie ihm oder ihr auch. Du willst gemeinsame Aktivitäten? Dann beziehe die Vorlieben Deines Kindes in die Planung mit ein. Und stelle Dich darauf ein, dass Trubel, Halligalli und viel Rummel eher nicht zu den Wünschen gehören. Manchmal ist ein gemeinsamer, ruhiger Spaziergang viel schöner, als ein durchgeplanter Tag mit langen Gesichtern auf allen Seiten. 

Ein persönlicher Tipp von mir: Viel quasseln ist meist unerwünscht. Ich bin ja selbst introvertiert – und trotzdem ist meine Tochter manchmal von mir genervt, weil ich ihr zu viel rede (Sag das mal allen anderen, die meinen, ich bekomme den Mund nicht auf). Manchmal steckt sie sich demonstrativ die Ohrhörer rein und sagt grinsend zu mir: “Du quatscht mir schon wieder nen Knopf an die Backe!” 

Das ist KEINE Respektlosigkeit! Das ist eine klare Ansage, dass hier eine persönliche Grenze erreicht ist. Und dieses Signal sollten wir ernst nehmen!

 

Nehmt gemeinsame Ruhezeiten im Wohnzimmer

Ruhe tut auch Dir mal gut. Egal, ob Du introvertiert, extravertiert oder ambivertiert bist. Setzt Euch gemeinsam auf die Couch und schaut einen Film, der Euch beide interessiert – oder lest ein wenig. 

Je mehr introvertierte Teenager merken, dass es auch okay ist, wenn sie nicht reden wollen, umso mehr Zeit verbringen sie freiwillig mit Euch. Aus Zuneigung. Weil sie Zeit mit Euch verbringen wollen.

Manchmal, wenn ich im Wohnzimmer am Schreibtisch sitze und meine Texte schreibe, kommt meine Tochter herein und legt sich auf die Couch. Ohne zu reden. Mal mit Ohrhörern, mal mit einem Buch. Ich habe sie mal gefragt, warum sie das macht. Ich habe sie ja nicht gerufen, um ihr irgendwas zu erzählen. Ihre Antwort war: “Weil ich einfach bei Dir sein wollte.”

Hat Dir der Beitrag weitergeholfen? Dann würde ich mich über eine Bewertung oder einen Daumen hoch freuen.

Du hast Verbesserungsvorschläge? Dann ab damit in die Kommentare! Dort kannst Du mir übrigens auch Deine Erfahrungen mitteilen, wenn Du magst! 

Bis zum nächsten Mal!

Happy
Happy
0 %
Sad
Sad
0 %
Excited
Excited
0 %
Sleepy
Sleepy
0 %
Angry
Angry
0 %
Surprise
Surprise
0 %

Average Rating

5 Star
0%
4 Star
0%
3 Star
0%
2 Star
0%
1 Star
0%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.