[dsgvo_service_control]
run, jump, girl

Wie kannst du dein introvertiertes Kind unterstützen?

Introvertierte Kinder können leicht in ihrem Selbstwertgefühl und ihrem Selbstvertrauen verletzt werden, wenn man sie und ihre Persönlichkeit nicht ernst nimmt. Sie brauchen Unterstützung von ihren Bezugspersonen, um zu sich selbst stehen zu können. Das funktioniert nur, wenn die Bezugspersonen auch verstehen, wie introvertierte Kinder ticken. Im letzten Beitrag haben wir uns angeschaut, wo die Eigenheiten bei introvertierten Kindern liegen und wie sie funktionieren – und warum manchmal einfach nicht. In diesem Beitrag geht es darum, wie du dein introvertiertes Kind unterstützen und sein Selbstbewusstsein stärken kannst.

Introvertierte Persönlichkeit anerkennen

Wenn dein Kind sich bewusst ist, dass es introvertiert ist, kann es aus dieser Erkenntnis eine Menge Kraft schöpfen. Es kann daraus die Stärke ziehen, die es zum Erwachsen werden braucht und die es auf seinem ganzen Weg begleiten wird. Intros, die sich selbst anerkennen, wissen ganz genau, was ihnen guttut. Sie sind selbstreflektiert, stellen sich immer wieder in Frage und haben einen unbändigen Drang nach Weiterentwicklung. Ein niedriges Selbstwertgefühl allerdings kann Introvertierten zu einer wahren Schwäche werden. Sie brauchen Unterstützung, die Welt und sich selbst etwas lockerer sehen zu können.

flowers, child, girl

Introvertierte Stärken nutzen lernen

Introversion bringt viele eigene Stärken mit sich, die auch schon im Kindesalter genutzt werden können. Das funktioniert am besten, wenn die Eltern sie unterstützen und ihnen die Möglichkeit dazu geben.

  • Sie sind sehr kreativ und indem sie diese Kreativität ausleben und weiterentwickeln können, lernen sie gleichzeitig, sich darüber ausdrücken zu können.
  • Sie sind sehr konzentriert und vertiefen sich gerne in Aufgaben. Gib ihnen die Zeit, die sie brauchen und reiß sie nicht aus der Konzentration heraus. Das verwirrt sie nur.
  • Sie sind sehr vorsichtig. Das ist oft gut, manchmal brauchen sie aber auch etwas Ermunterung, um nicht zu überängstlich zu reagieren. Jedoch sollte nie Druck ausgeübt werden!
  • Sie sind unabhängig. Dein introvertiertes Kind wird dich zwar nach deiner Meinung fragen – weil es sie wirklich wissen will – aber es wird früh einen eigenen Kopf und Willen entwickeln.

Das sind nur ein paar Stärken. Jedes Kind entwickelt im Laufe seines Lebens eigene Stärken, die du mit ihm gemeinsam nutzen und weiterentwickeln kannst. Das ist manchmal sowohl für die introvertierten Kinder selbst als auch für uns Eltern eine enorme Herausforderung.

Gemeinsam an Schwächen arbeiten

Stolz auf sich selbst und seine Persönlichkeit zu sein, sollte nicht heißen, sich auf seinen Schwächen auszuruhen. »Ich kann nicht mit Menschen reden, ich bin introvertiert« ist keine Ausrede, die irgendwo akzeptiert wird. Und das sage ich als Introvertierte Person! Prinzipiell sollten wir schon daran arbeiten, unsere Schwächen abzubauen und optimalerweise in Stärken umzuwandeln.

Darum sollten dann und wann schon soziale Kontakte stattfinden, Freundschaften gepflegt werden, Referate geübt und mündliche Beteiligung in der Schule angestrebt werden.

Wenn wir uns auf unseren Schwächen ausruhen, dann bekommen wir genau den Stillstand, den wir Introvertierte eigentlich überhaupt nicht mögen. Schließlich sind wir prinzipiell von Weiterentwicklung angetrieben. Das sollte sich auch auf unsere Schwächen erstrecken – auch, wenn uns das nicht immer gefällt.

Manchmal ist es nun mal nötig, dass introvertierte Kinder – und auch Erwachsene! – über ihren eigenen Schatten springen und aus ihrer Komfortzone heraustreten. Mit der Unterstützung unserer Bezugspersonen fällt es uns leichter, unsere Schwächen anzugehen.

girl, kitten, pet

Keinen unnötigen Druck aufbauen

Wer Introvertierte Menschen unter Druck setzt, erreicht schnell das Gegenteil von dem, was geplant war. Das gilt auch schon in der Kindheit. Oft verschließen sie sich dann oder resignieren komplett. Während Extrovertierte mit Druck von außen besser klarkommen, ist er für introvertierte Kinder eher kontraproduktiv!

Kontakt zu Tieren beruhigt

Manche*r Introvertierte versteht sich mit Tieren besser als mit Menschen. Ein Haustier oder Besuche auf dem Bauernhof können introvertierten Kindern helfen, abzuschalten. Ein Haustier fördert zudem die Verantwortung, die Kinder damit übernehmen müssen.

Findet Aktivitäten, die Introvertierten Kindern wirklich Spaß machen

Soziale Kontakte sind auch für introvertierte Kinder wichtig. Sie jedoch deshalb in irgendwelche Vereine oder Kurse zu stecken, macht keinen Sinn. Sie sollten schon etwas machen, an dem sie Freude haben. Sinnvoll kann es sein, die Kinder erst ein paar Mal testen zu lassen, bevor man sie irgendwo fest anmeldet. Manchmal erfüllen sich nämlich die Erwartungen nicht und dann ist die Motivation ganz schnell weg.

Als Beispiel: Meine Tochter mochte Hip-Hop-Tanz, als sie in der Grundschule war. Da hatte sie richtig Spaß dran, nahm an der freiwilligen Schul-AG teil. Ihre Oma wollte ihr eine Freude machen und meldete sie sehr motiviert in einer Tanzschule zum »Kinder-HipHop« an. Dumm nur, dass sie noch in der niedrigeren Altersklasse teilnehmen musste und folglich zu Helene Fischers »Atemlos« tanzen musste. Die Umstände, dass sie a) Schlagermusik überhaupt nicht mochte und b) das mit Hip Hop absolut nichts mehr zu tun hatte, schalteten die Motivation schneller aus, als wir gucken konnten. Es folgten immer mehr Ausreden, warum sie diesmal nicht teilnehmen konnte. Sportzeug vergessen. Knieschmerzen. Kopfschmerzen. Bauchschmerzen. Übelkeit. … Irgendwas war immer. Bis ich sie beiseite genommen und ihr genau zugehört habe. Ihre Oma sah das zwar nicht so gelassen, aber ich konnte sie davon überzeugen, dass es sinnvoller ist, sie abzumelden, als umsonst Monat für Monat zu zahlen.

Solche Erlebnisse sind frustrierend für alle Beteiligten. Darum ist es wichtig, dass introvertierte Kinder in die Entscheidung mit einbezogen werden. Und sie sich in Ruhe entscheiden können. Zeitlich begrenzte oder kostenlose Angebote wie AGs, Kurse oder auch Angebote in der VHS oder einem Jugendzentrum können hier eine sinnvolle Alternative sein.

ABER ACHTUNG! Heutzutage haben viele Kinder einen volleren Terminplan als jeder Unternehmensmanager. Introvertierte Kinder brauen Pausen! Sie brauchen Freiraum. Ihnen jeden Tag irgendwelche Kurse oder Vereine »aufzuhalsen« hilft ihnen nicht weiter, es erschöpft sie noch mehr, weil sie kaum Zeit haben, ihre Energiereserven wieder aufzufüllen. Bitte bedenke das bei der Auswahl der Hobbys!

Introvertierte Kinder erfordern »Teamplay«

Introvertierte Kinder zu erziehen und ihr Selbstbewusstsein aufzubauen und zu stärken erfordert viel Geduld – sowohl von den Bezugspersonen als auch von den Kindern selbst. Manchmal geht es ihnen nicht schnell genug, dann wiederum viel zu schnell. Wichtig ist, dass alle Parteien offen miteinander reden können und vor allem auch zuhören können! So können sie einander besser verstehen, auch wenn die Eltern beispielsweise nicht introveriert sind und daher nicht jede Eigenheit ihrer Kinder nachvollziehen können. Introvertierte Eltern können in sich hineinhören und auf ihre eigene Erfahrung bauen. Was hat mir damals als Kind gefehlt? Was hätte mir geholfen? Viele introvertierte Erwachsene wussten nämlich als Kinder noch nichts von ihrer ruhigen Persönlichkeit, weil damals noch nicht wirklich darauf geachtet wurde.

Wenn du dein introvertiertes Kind stärken und ihm Halt geben willst, solltest du genau zuhören und auch seine oder ihre Grenzen akzeptieren. Das fällt nicht immer leicht, ich kenne das aus eigener Erfahrung. Manchmal muss man das Kind auch ein wenig »schubsen«, obwohl mal selbst weiß, wie schwer etwas fällt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass wir unseren Kindern eines mit auf den Weg geben: »Es ist gut, dass du introvertiert bist. Du bist toll, wie du bist. Du musst nur deinen eigenen Weg finden. Und ich bin da, um dir dabei zu helfen!« Manchmal brauchen wir Introvertierte nämlich die Bestätigung, dass wir so gut sind, wie wir sind. Weil wir von vielen das Gefühl bekommen, eben das NICHT zu sein.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir ein paar neue Einblicke und Ideen gegeben. Wie sind denn deine bisherigen Erfahrungen mit introvertierten Kindern? Wird die Introversion in der Familie gut aufgenommen? Oder eher belächelt? Wie handhabst du die speziellen Eigenheiten deines Kindes? Schreib mir deine Erfahrungen in die Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.