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Hilfe, mein Kind ist introvertiert!

Dein Kind wirkt manchmal sehr zurückhaltend, beobachtet andere Kinder eher beim Spielen, anstatt sich dazuzugesellen? Manchmal kann es sich gefühlt stundenlang an einem Thema hochziehen und dir einen Knopf an die Backe quasseln – auf der anderen Seite muss man ihm oder ihr sonst die Wörter wie Würmer aus der Nase ziehen. Bei allgemeinen Gesprächen oder Familientreffen hält es sich eher im Hintergrund? Dann kann es gut sein, dass dein Kind introvertierte Persönlichkeitszüge hat.

Introvertierte Kinder verbringen meistens viel Zeit in ihrem Zimmer. Da haben sie Ruhe, können sich mit sich selbst beschäftigen. “Geh doch mal raus, mit den anderen Kindern spielen!” ist eine Aufforderung, die bei ihnen oft eher Unbehagen als Vorfreude auslöst. In der Schule glänzen sie meist auch eher durch schriftliche oder kreative Arbeiten, denn mit mündlicher Beteiligung. So weit, so seltsam. Aber weißt du was? Es wird noch seltsamer: Dein Kind ist damit absolut zufrieden. Und das ist toll! Denn dein Kind weiß intuitiv, dass es überhaupt nichts Schlimmes ist, introvertiert zu sein. Herzlichen Glückwunsch!

Das bedeutet nicht, dass sie niemals aus sich herausgehen werden oder zu verklemmten Erwachsenen werden. Viele Schauspieler, Keynote-Speaker oder Politiker sind introvertiert – und stehen dennoch im Rampenlicht. Allerdings haben sie andere Bedürfnisse als extravertierte Personen. Um ihre Energie wieder aufzuladen, suchen sie eher Ruhe und Zeit für sich, anstatt mit größeren Gruppen. Viel Lärm und Unruhe schrecken sie eher ab.

10 Dinge, die du über dein introvertiertes Kind wissen solltest

Du musst dir überhaupt keine Sorgen machen, dass Introversion schlecht für dein Kind ist. Weder gesundheitlich noch für die geistige Entwicklung. Es bezieht sich einfach nur auf die überwiegenden Persönlichkeitsmerkmale. Ich zeige dir 10 Dinge, die dir helfen, dein introvertiertes besser verstehen und unterstützen zu können.

Punkt 1: Introversion ist nichts Schlimmes oder Ungewöhnliches

Introversion ist nicht ungewöhnlich und dein Kind ist damit nicht alleine. 25 – 30 % der Menschen sind introvertiert. Viele bekannte – und durchaus sehr einflussreiche und erfolgreiche – Menschen hatten und haben introvertierte Persönlichkeiten. Beispiele gefällig? Zu den bekanntesten gehören Bill Gates, J. K. Rowling, Barack Obama oder auch Mahatma Gandhi. Steve Wozniak – der Apple-Mitbegründer – zählt übrigens auch zu den leisen Menschen. Er hat Steve Jobs damals den Vortritt im Rampenlicht gelassen und hielt sich im Hintergrund.

Punkt 2: Dein Kind schüttelt die Introversion nicht einfach irgendwann ab

Wenn du denkst, dass dein Kind bestimmt “irgendwann aus dieser Phase herauswächst”, dann muss ich dich enttäuschen. Introversion ist genetisch festgelegt. In der Regel bleibt sie ein Leben lang. Die Intensität kann sich aber im Laufe des Lebens verändern.

Wie stark die Ausprägung variiert, hängt sowohl von genetischen als auch von äußeren Faktoren ab. Manche Menschen legen sich im Laufe der Zeit vermehrt extravertierte Verhaltensweisen zu, ganz ablegen können Introvertierte ihre Persönlichkeit allerdings nicht.

Punkt 3: Spiel-Treffen kosten dein Kind Energie

Mit einem Fakt kann ich dich hoffentlich vorab beruhigen: Dein Kind wird Freundschaften schließen. Vielleicht auch mehr als zwei oder drei auf einmal. Du brauchst dir also keine Sorgen machen, wenn dein Kind im Umgang mit anderen Kindern – oder auch Erwachsenen – längere Zeit braucht, um aufzutauen.

Was wir als Socializing kennen, kostet dein Kind unendlich viel Kraft. Darum solltest du dich nicht wundern, wenn es nach einem Spiel-Treffen oder auch nach der Schule hinlegt und sofort einschläft. Die Energiereserven sind dann komplett leer.

Wenn du merkst, dass dein Kind während des Treffens unruhig ist, hol es für ein paar Minuten aus dem Trubel heraus, damit es durchatmen kann. Wenn es schon älter ist, bring ihm oder ihr bei, dass es sich selbst auch in eine ruhige Ecke zurückziehen kann, wenn es zu viel wird. Das ist in Ordnung! Und das solltest du auch so vermitteln.

Punkt 4: Dein Kind mag ungewöhnliche Interessen haben – gönn’ sie ihm!

Gruppensport oder andere Gruppenaktivitäten sind vielleicht für viele Kinder die idealen Hobbys. Viele Introvertierte – gerade Kinder – fühlen sich davon aber eher eingeschüchtert und abgeschreckt. Sie verbringen die Zeit vielleicht lieber zu Hause in ihrem Zimmer und malen oder schreiben. Oder legen sich mit einem Buch aufs Bett.

Vielleicht interessiert es sich auch für Wissenschaft oder verschlingt als Teenager Bücher über Psychologie. Dann lass ihm oder ihr die Hobbys. Wenn sie sich die Aktivitäten selbst aussuchen können, bleiben sie mit größerer Wahrscheinlichkeit dabei. Auf keinen Fall solltest du ihnen vorschreiben, welche Hobbys sie haben sollten. Auch wenn du als Kind gerne im Turnverein warst – dein Kind muss es nicht ebenso mögen.

Akzeptiere auch, wenn sich die Interessen deines Kindes ändern. Das sollte bei Kindern und Jugendlichen ebenso selbstverständlich sein wie bei uns Erwachsenen. Bei ihnen wird es aber häufig als launenhaft oder sprunghaft bezeichnet. Häufig sogar auf die Pubertät geschoben und belächelt. Damit gibst du deinem Kind aber das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Punkt 5: Sprich das Thema Introversion ruhig in der Schule an

Wie oft habe ich bei Elternsprechtagen gehört: “Ihr Kind saugt den Stoff auf wie ein Schwamm. Die Arbeiten sind super. Aber die mündliche Mitarbeit… Ihre Tochter muss sich unbedingt mehr mündlich am Unterricht beteiligen. Und in der Pause sitzt sie lieber in der Ecke, anstatt mit anderen Kindern zu spielen.”

In der Grundschule habe ich das “Spiel” noch mitgemacht. Auf der weiterführenden Schule habe ich den Lehrern gesagt, dass meine Tochter weder verschlossen noch zu schüchtern ist. Sie ist introvertiert und sucht sich ihre Ruhepausen, damit sie im Unterricht den Kopf wieder frei für den Lehrstoff hat.”

Es hat einiges an Überzeugungsarbeit gebraucht, bis die Lehrer mich zum einen verstanden und zum anderen mir geglaubt haben. Mittlerweile haben sie das Muster bei meiner Tochter erkannt und bieten ihr alternative Möglichkeiten, neben den Arbeiten auf ihre Noten zu kommen. Und die nutzt sie allesamt.

Also sprich mit den Lehrern über die Introversion deines Kindes. Immer wieder ohne Schuld kritisiert zu werden führt Letztenendes dazu, dass es irgendwann eher gar nicht mehr zur Schule möchte. Und das kann sich sogar unter Umständen auf die Psyche auswirken.

Punkt 6: Manche introvertierte Kinder haben Probleme, für sich selbst einzustehen

Kindern mit introvertierter Persönlichkeit fällt es schwer, die eigene Meinung zu vertreten. Bring ihnen darum bei und ermutige sie regelmäßig, dass es absolut in Ordnung ist, ein Nein zu äußern und das auch durchzusetzen. Introvertierte Kinder werden in der Schulzeit von selbstbewussteren Mitschülern manchmal als Spielball benutzt. Oft erzählen sie es zu Hause nicht, du merkst es aber häufig an ihrem Verhalten. Sei aufmerksam und bestärke sie in ihrem Selbstbewusstsein. Damit meine ich nicht verhätscheln oder “über den grünen Klee loben“.

Finde mit ihnen zusammen ihre eigenen Stärken heraus, baut sie gemeinsam auf und lass sie Erfolge spüren. Feiert sie ruhig zusammen. Es ist nicht immer leicht, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Aber es lohnt sich. Zu sehen, wie die eigenen Kinder trotz – oder gerade wegen? – ihrer Introversion ihr eigenes Ding durchziehen und sich von anderen nicht beeinflussen lassen, lässt mich auch als Mutter beruhigter zurück.

Bring ihnen bei, dass ihre Stimme wichtig ist. Ermutige sie, herauszufinden, wie sie ihre Stimme am besten einsetzen. Auch Introvertierte können aufstehen und vor anderen reden. Wenn sie das richtige Thema (“ihr” Thema) haben, das nötige Fachwissen und das entsprechende Selbstbewusstsein.

Punkt 7: Achte darauf, wenn dein Kind Hilfe braucht

Ja, ich weiß, das machen wir Eltern sowieso. Bei introvertierten Kindern ist es aber noch einmal wichtiger, dass du dein Kind und seine Bedürfnisse im Auge behältst. Introvertierte Menschen haben ein Problem damit, andere Menschen um Hilfe zu bitten. Das gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Ich selbst trage meine Probleme auch lieber mit mir aus, anstatt andere um Hilfe zu bitten. Manchmal geht es aber nicht ohne. Und gerade Kinder brauchen da mehr Unterstützung, als wir manchmal zugeben wollen.

Punkt 8: Introvertiert heißt nicht schüchtern

Viele Menschen verwechseln Introversion mit Schüchternheit. Dabei sind das grundverschiedene Dinge. Wer schüchtern ist, kann nicht gut mit anderen Menschen umgehen. Schüchterne Menschen verspüren Unwohlsein bis hin zu Angst, wenn es um die Interaktion mit anderen Menschen geht.

Introvertierte Menschen hingegen können häufig sehr gut mit Menschen umgehen, weil sie auch empathische Züge haben, die ihnen helfen, auf andere Menschen einzugehen. Viele fühlen sich sogar wohl dabei. Nur ziehen viele soziale Kontakte enorm Energie. Weshalb sie immer wieder ihre Ruhephasen benötigen.

Punkt 9: Nimm es nicht persönlich, wenn dein Kind sich zurückzieht

Introvertierte Menschen brauchen – wie bereits erwähnt – regelmäßige Ruhepausen. Introvertierte Kinder wollen daher nicht unbedingt so viel Zeit mit den Eltern verbringen, wenn sie zu Hause sind. Gerade, wenn sie älter werden. Sie ziehen sich intuitiv zurück, wenn sie ihre Ruhe benötigen. Das kann dir schon mal die eine oder andere Planung für einen gemütlichen Familienabend verwerfen.

Du solltest das aber auf keinen Fall persönlich nehmen, denn das ist es nicht. Gib ihnen ihren Freiraum und sie kommen von selbst wieder zu dir und möchten Zeit mit dir verbringen.

Punkt 10: Lerne, dein Kind zu schätzen

Überflüssig zu erwähnen, findest du? Meiner Erfahrung nach nicht. Dabei sind introvertierte Kinder wahre Schätze. Sie sind nett zu ihren Mitmenschen, fürsorglich, sehr fokussiert – zeig ihnen, dass du das zu schätzen weißt.

Hilfreich?

Ich hoffe, diese 10 Punkte helfen dir, deine Kinder etwas besser zu verstehen und zu unterstützen. Wenn sie den richtigen Support bekommen, wachsen introvertierte Kinder zu wunderbaren, umsichtigen Erwachsenen heran, wie wir sie gerade in der heutigen Zeit vermehrt brauchen.

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