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Was ist Introversion?

Introversion - Vorstellung

Was zur Hölle ist »Introversion«? Der Begriff läuft einigen von uns im Alltag häufig über den Weg, auch wenn wir nicht selbst davon betroffen sind. Aber was ist das eigentlich? Ganz einfach:

Kennst du auch diese Menschen, die sich bei Meetings und Gesprächen meist zurückhalten? Die sich am wohlsten fühlen, wenn sie ihre Ruhe haben und einen Abend auf der Couch dem Besuch im Club vorziehen? Herzlichen Glückwunsch, dann kennst du höchstwahrscheinlich introvertierte Menschen!

Der Begriff Introversion – und sein Gegenpart Extroversion wurden 1921 das erste Mal ins Leben gerufen, im Rahmen der Persönlichkeitspsychologie von C. G. Jung. Er bezeichnete die beiden Begriffe als »gegensätzliche Wesensarten der Wahrnehmung, des Denkens und Fühlens und der Intuition.« Jung erklärte, die meisten Menschen neigen eher zur einen oder zur anderen Seite – sind also entweder introvertiert oder extrovertiert. Der Grad der Neigung kann hierbei durchaus stark variieren.

Im Laufe der Zeit wurde diese Theorie weiterentwickelt und von vielen aufgegriffen. Heutzutage sind sowohl Introversion als auch Extroversion (manchmal auch Extraversion genannt) Bestandteil des »Fünf-Faktoren-Modells«, der sogenannten Big Five – einem Standardmodell, das zur Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften herangezogen wird.

Introvertiert? Ein Beispiel.

Wie kann man Introversion am besten erklären? Ich gebe dir mal ein Beispiel anhand von mir: Schon als Kind habe ich mich damit schwergetan, neue Freunde kennenzulernen. Ich war schon immer eher ein ruhiger Mensch. Auf den Spielplatz zu rennen und zu rufen »Hallo, hier bin ich!« hat mir noch nie gelegen. Als ich älter wurde, konnte ich stundenlang mit meinen Büchern auf dem Bett – oder später auf meiner Schlafcouch – liegen, ohne das mir langweilig wurde. Bücher und Musik, das war alles, was meine introvertierte Seele jeden Tag brauchte. Diskos waren nie mein Lieblingsplatz, ich mag Kneipen mit wenigen Freunden lieber als riesiges Getümmel. Außer bei Konzerten. Da mag ich es.

Und heute? Heute genieße ich es, nach der Arbeit meine Beine hochlegen zu können und die Ruhe um mich herum zu genießen – zumindest so weit meine Teenie-Tochter und unsere zwei Wellensittiche das zulassen. Ab und an treffe ich mich mit Freunden, aber selten auf einen Haufen, meist nur ein oder zwei. Ich arbeite als Texterin in einer Agentur – eigentlich paradox, so als Introvertierte. Ich muss zugeben, manchmal wird es mit all dem Rummel schon etwas viel. Aber zum Glück kann ich mich dann in eine ruhige Ecke zurückziehen, wenn ich einen Moment zum Durchatmen brauche.

Spontaneität für Introvertierte nur bedingt

Wir Introvertierten haben die sehr angenehme Fähigkeit, uns in alles einarbeiten und uns vorbereiten zu können – sofern wir genügend Zeit zur Verfügung haben.

Was wir nicht so gut vertragen, ist, spontan in den Mittelpunkt geschubst zu werden. Sei es bei Meetings oder bei Veranstaltungen. Ohne Vorbereitung bedeutet es für introvertierte Menschen enormen Stress, plötzlich im Fokus stehen zu müssen.

Introversion - Introvertiertheit
Photo by Elena Koycheva on Unsplash
Wir sind oft schweigsam. Was nicht bedeutet, dass wir keine Meinung haben. Wir bilden sie nur erst auf Basis aller Informationen, die wir sammeln. Und das machen wir gründlich. Wir hören genau zu, wir beobachten – und erst, wenn wir meinen, alle Informationen zu haben, die wir brauchen, DANN werten wir sie aus und verwerten sie weiter. Eine schnelle Meinung, klar formuliert, wird man von Menschen mit Introversion eher nicht spontan bekommen.
 

Smalltalk? Nur, wenn es unbedingt nötig ist!

People Talking - Small Talk - Networking - Herausforderung für Introversion

Smalltalk lässt sich in der Regel nicht vermeiden. Auch wenn wir Introvertierten manchmal mit allen Mitteln versuchen, drumherum zu kommen. Es klappt leider nicht immer. Weder im Alltag noch im Berufsleben. Gerade wenn es darum geht, mit fremden Menschen in Kontakt zu treten, ist Small Talk einfach das Mittel der Wahl. Wie kann man schneller mit jemandem ins Gespräch kommen, als wenn man über die aktuellen Geschehnisse oder neusten Entwicklungen in der Jobbranche redet? Abhängig von der Situation, in der man sich gerade befindet, selbstverständlich. 

 

Über die Jahre hinweg konnte ich genügend Übung sammeln, aber wohl fühle ich mich mit Small Talk immer noch nicht. Für uns Introvertierte wirkt das Ganze eher unnötig und anstrengend – eigentlich schon zu oberflächlich. Ich kann mich besser mit Menschen über ernsthafte Themen unterhalten, die mehr Tiefgang haben, als über das Wetter oder die Anfahrt oder die Auswahl am Büffet.
 

Telefonieren? Am liebsten nur mit Vorwarnung.

Noch so eine Sache, die uns Introvertierte so richtig aus der Ruhe bringen kann: Telefonieren. Ich wurde schon immer schief angesehen, weil ich Telefonieren in 90% der Fälle nicht mag. Wenn ich es irgendwie umgehen kann, nutze ich jede Möglichkeit.

Am liebsten ist mir, wenn man mich anschreibt – entweder per E-Mail oder per WhatsApp. Es gibt nur wenige Personen, mit denen ich lange und offen telefonieren kann. Und ich bin froh, dass ich als Texterin in der Agentur keine kontinuierlichen Kundentelefonate führen muss, wie zu meiner Zeit im Reisebüro.

Ich habe lange Zeit gedacht, das wäre ein Charaktermakel von mir, den es bei anderen nicht gibt. Jeder hat ja so seine »Macken«, nicht nur Introvertierte. Dann habe ich plötzlich einige Leute kennengelernt, denen es ebenso ging. Die genauso ungern telefonierten wie ich. Ebenso seit ihrer Kindheit. Du glaubst gar nicht, wie gut das tat!

 

Telefonieren mögen Introvertierte gar nicht
Photo by Elena Koycheva on Unsplash

Introvertierte Quasselstrippen

Leute unterhalten sich - small talk - quasselstrippen trotz Introversion

Anders sieht es aus, wenn wir auf eines unserer Herzensthemen angesprochen werden. Themen, in denen wir uns richtig gut auskennen. Dann kann es passieren, dass selbst wir Introvertierten aus dem Reden nicht mehr rauskommen. Das können jobbedingte Themen sein oder Hobbys oder einfach Themen, die uns sehr am Herzen liegen.

 

Wie einer dieser aufgezogenen rosafarbenen Hasen mit der Trommel aus der Batteriewerbung können wir dann reden und reden und reden und dann fällt es uns selbst schwer, uns wieder zu bremsen. Denn nicht immer hat unser Gesprächspartner dasselbe »Steckenpferd« wie wir. So kann Introversion auch aussehen. Introvertiert zu sein heißt nicht, dass wir absolut nicht unsere Klappe aufbekommen.
 

Rund um Introversion

Du willst mehr darüber wissen, was es mit Introversion auf sich hat, wie sie sich äußert, wie man damit umgehen kann und wie man seine vermeintlichen »Schwächen« in Stärken umwandeln kann? Dann bist du in dieser Kategorie genau richtig!