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Introvertierte Kinder

Wie ticken eigentlich introvertierte Kinder?

Hast du dich schon einmal gefragt, warum dein Kind so ruhig ist, so wenig Freunde hat oder lieber Bücher liest, anstatt rauszugehen?

In diesem Beitrag erfährst du, wie introvertierte Kinder so ticken, warum und was Ihre Bedürfnisse sind. Viel Spaß beim Lesen!

Jedes Kind ist anders und unsere Charakterzüge entwickeln sich bereits in ganz jungen Jahren. Ein Schweizer Wissenschaftler namens Carl Gustav Jung hat 1921 eine Studie erstellt, in der er die Persönlichkeiten der Menschen in zwei unterschiedliche Gruppen einteilte:

Die eine Gruppe mag es, Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie blühen auf, wenn sie Action bekommen und unter Menschen sind. Die Reizflut um sie herum macht ihnen nichts aus, sie beflügelt sie eher. Diese Persönlichkeitseigenschaft nennt man extrovertiert oder extravertiert.

Die zweite Gruppe ist das genaue Gegenteil. Sie wirken nach außen hin ruhiger, lesen lieber ein Buch und sind gerne eine Zeitlang für sich. Diese Persönlichkeitseigenschaft wurde von Jung als “Introvertiert” bezeichnet. Die meisten Introvertierten Menschen stehen nicht gerne im Rampenlicht. Wenn es sich umgehen lässt, meiden sie es eher. Sie mögen ruhigere Umgebungen, weil die Reizüberflutung ihnen ihre Energie entzieht. Ihr Gehirn reagiert sensibler auf Geräusche, soziale Kontakte und alles, was sie umgibt. In großen Menschenmengen fühlen sie sich meist überfordert. Diese Überforderung und Überanstrengung macht sich auch bei introvertierten Schulkindern bemerkbar.

Wann ist ein Kind introvertiert oder extrovertiert?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen spielt die genetische Veranlagung eine große Rolle. Wenn einer unserer beiden Elternteile introvertiert ist – oder sogar beide – , dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind auch introvertiert ist. Die äußeren Umstände spielen ebenfalls eine Rolle. Die Verhaltensweisen unserer Umwelt, die Art, wie wir aufwachsen – all das formt unsere Persönlichkeit. Jeder dieser Typen bringt eigene Vor- und Nachteile mit sich. Beides besser zu verstehen, ist auf jeden Fall gut fürs Selbstbewusstsein. Leider wird bei ruhigen Kindern häufig auf Depression oder irgendeine Verhaltensstörung diagnostiziert, anstatt auf Introversion.

Photo by Ramin Talebi on Unsplash

Introvertierte Kinder im Alltag

Kinder durchlaufen viele Phasen. Ob ruhige Kinder nun schüchtern oder introvertiert sind, wird sich erst im Laufe der Jahre wirklich zeigen. Durch die verschiedenen Phasen und Rollen können sie verschiedene Handlungsweisen ausprobieren. So bekommen sie auch ein Gefühl, wo ihre persönlichen Stärken und Schwächen liegen. Wo liegen aber die Unterschiede zwischen schüchternen und introvertierten Kindern?

Beide Gruppen haben eher Hemmungen, offen auf fremde Leute zuzugehen. Bei den schüchternen Kindern liegt es aber eher daran, dass sie Angst vor Zurückweisung haben. Bei introvertierten Kindern liegt es eher daran, dass ihr Gehirn sensibler reagiert, als bei extrovertierten Kindern. Schüchternheit kann sich im Laufe der Jahre legen, so dass die Kinder nach der Pubertät oft deutlich offener auf Menschen zugehen können.

Alle Zeichen auf Rückzug

Introvertierte Kinder ziehen sich gerne für eine Weile zurück, wenn ihnen alles zu viel wird. Sie haben auch überhaupt nichts dagegen, für eine Weile allein zu sein. Dann können sie sich mit ihrem Spielzeug oder mit ihren Hobbys beschäftigen. Das machen introvertierte Kinder gerne – sie vertiefen sich in eine Sache und können sich regelrecht hineinsteigern, wenn sie ein neues Hobby haben. Dann sind sie wie ein Schwamm – sie saugen alles auf, möchten alles darüber wissen. Aber keine Sorge, das gibt sich wieder, wenn das Interesse ein wenig nachgelassen hat. Und wenn man diesen Wissensdurst in die richtigen Bahnen lenkt, dann kann sich das sogar positiv auf das Lernverhalten in ihrer späteren Schullaufbahn auswirken.

Photo by Caleb Woods on Unsplash

Introvertierte Kinder sind schneller überfordert

Die sensiblere Reizverarbeitung im Gehirn introvertierter Kinder trägt dazu bei, dass sie sich unter Umständen schneller überfordert fühlen können, als extrovertierte Kinder. Sie nehmen ihre Umwelt viel deutlicher wahr, viel lauter. Nur kann ihr Gehirn diese Reize nicht so gut und schnell verarbeiten, wie das Gehirn von Extrovertierten. Dadurch sind sie in stressigen oder lauten Situationen schnell überfordert. Auch, wenn sie ungewollt im Mittelpunkt stehen, löst das für sie Stress aus, mit dem sie erst lernen müssen, umzugehen. In der Schule kann es bei ungeplanten Referaten zum Beispiel zu sogenannten Blackouts führen.

Intelligenz und Hochbegabung bei Introvertierten Kindern

Introvertierte Menschen haben meist Begabungen, in denen sie besonders gut sind und in denen sie absolut aufgehen. Sie sind kreative Köpfe, die gerne zeichnen, malen, schreiben, tanzen – alles, womit sie ihren Gefühlen und manchmal auch ihrem inneren Chaos Ausdruck verleihen können. Um wirklich gut zu sein und ihr Bestes zu geben, verbringen sie viel Zeit mit ihrem Hobby.

Manche Introvertierte sind auch überdurchschnittlich intelligent. Sie saugen Wissen auf wie ein Schwamm und brauchen immer wieder neues »Futter« für ihr Gehirn. Darum lesen viele Introvertierte so leidenschaftlich gerne. Manche verschlingen auch Dokumentationen auf YouTube, im Fernsehen oder auf diversen Streaming-Plattformen.

Schwächer im sozialen Umgang als extrovertierte Kinder

So gut sie in ihrem eigenen Bereich auch sind, es gibt eines, in dem fast jeder Introvertierte schwächelt: der Umgang mit anderen Menschen. Zu viel davon wirkt auf Kinder mit Introversion häufig verwirrend und erschöpfend. Sie mögen Gesellschaft, allerdings in Maßen, mit ausgesuchten Personen. Im Anschluss sind sie meist so ausgelaugt, dass sie direkt danach einschlafen. Sie brauchen die Ruhe und ihre Pausen als Ausgleich.

Manche introvertierte Kinder brauchen und wollen nur eine handvoll Bezugspersonen um sich herum. Trotzdem solltest du dein Kind daran erinnern, dass Freundschaften wichtig sind und gepflegt werden sollten. Das geht ihnen schnell unter.

Introvertierte mögen keinen Smalltalk

Belanglose Gespräche über das Wetter oder das aktuelle Befinden braucht man mit einem introvertierten Menschen selten führen. Die Antworten, die man erhält, sind nur kurz und knapp, weil ihnen das Thema zu oberflächlich ist und sie nicht interessiert. Das kennst du bestimmt, wenn du dein Kind fragst, wie die Schule war. »Gut.« Ist die gängigste Antwort, die wir Eltern bekommen. Auf das Wetter angesprochen, kommt höchstens ein »Hm«. Introvertierte können mit Smalltalk nicht viel anfangen. Sie mögen es eher, über Themen zu sprechen, die sie interessieren, in denen sie sich auskennen. Da können sie richtig aufblühen und dann kann es auch schwerfallen, selbst Introvertierte zu stoppen. Smalltalk finden sie anstrengend. Nichtsdestotrotz sollten sie sich schon früh daran gewöhnen, da sie in ihrem späteren Leben immer wieder damit konfrontiert werden und dann besser damit umgehen können.

Photo by Max Goncharov on Unsplash

Introvertierte Menschen brauchen Struktur

Eins vorneweg: Damit ist nicht gemeint, dass man ihnen alles vorgibt! Introvertierte Menschen sind leidenschaftliche Planer – auch schon im Kindesalter. Sie brauchen das Gefühl, die Kontrolle über etwas zu haben und mögen es, den Überblick behalten zu können. Sie sind ruhig und detailverliebt und verfügen über ein großartiges Denkvermögen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, sich in verschiedene Situationen hineinversetzen und hineindenken zu können und Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln durchdenken zu können. Das wiederum sorgt dafür, dass sie sich ihre Antwort gut überlegen, bevor sie etwas sagen. Reißt man sie vorzeitig aus ihrem Gedankengang heraus, verwirrt sie das eher und sie können gereizt darauf reagieren.

Übrigens können auch Introvertierte Menschen absolute Chaoten sein – das passiert meist dann, wenn sie von zu viel unvorhergesehenen Dingen überfordert sind. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn es gar nicht so weit kommt und stattdessen alles nach Plan läuft.

Tipps für introvertierte Kids und ihre Eltern

Introvertierte Kinder können sehr stark in ihrem Selbstbewusstsein verletzt werden, solange sie ihre eigene Persönlichkeit nicht verstanden haben. Viel zu oft wird ihre ruhige Art missverstanden, nicht wertgeschätzt oder komplett falsch gedeutet. Bei Gleichaltrigen werden sie manchmal als feige bezeichnet, von Erwachsenen als unsozial oder schüchtern.

Wenn sie allerdings wissen »Ich bin introvertiert!«, dann können sie sich auf ihre Stärken konzentrieren und diese zu ihrem Vorteil nutzen. Dabei müssen introvertierte Kinder allerdings von ihrer Familie und von ihrem Umfeld unterstützt werden. Sie brauchen das Verständnis ihrer Bezugspersonen. Daher sollten auch wir Eltern verstehen, wie unsere Kinder ticken. Wir können sie nicht zu etwas erziehen, was sie allein von ihrer Persönlichkeit her schon nicht sind und auch nie sein werden. Das setzt sie unter unnötigen Druck. Oder um es einmal übertrieben bildlich darzustellen: Wir werden aus einer Angela Merkel keine Kim Kardashian machen können!

Und nun?

Jetzt haben wir uns angeschaut, wie unsere introvertierten Kinder eigentlich so funktionieren – oder eben auch nicht. Ich hoffe, das gibt dir erst einmal einen kleinen Einblick und hilft dir, dein Kind ein wenig besser zu verstehen, wenn es einmal wieder völlig anders reagiert und handelt »als andere Kinder«.

Im nächsten Beitrag werden wir uns anschauen, wie wir unsere kleinen Intros am besten unterstützen können und ihnen das nötige Selbstbewusstsein geben können, dass sie für ihr Leben brauchen.

Hast du spezielle Erfahrungen mit deinem introvertierten Kind gemacht? Wie reagiert euer Umfeld auf sein oder ihr Verhalten? Bei uns privat war das anfangs sehr durchwachsen. Ich würde mich freuen, von deinen Erfahrungen zu lesen. Schreib sie mir in die Kommentare!

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